Naturverbunden, tierlieb, bodenständig und mit pädagogischem Know-how: Tamara Schweidler unterstützt Jugendliche, hilft auf dem Bauernhof der Schwiegerleut‘ und begeistert als „Bergfexn“ eine riesige Community auf Instagram.

Aufwühlende Tage und Wochen sind das. Eigentlich würde Tamara Schweidler so einen Bilderbuch-Oktober die meiste freie Zeit droben in den Bergen verbringen. Wandern, sich an den Wundern der Natur erfreuen, fröhliche Fotos für die über 34.000 Fans auf Instagram schießen – doch zum einen bremst (schon wieder) eine Fußverletzung die „Bergfexn“ aus (ein Sturz von der Boulderwand), zum anderen mag sie der Gitti und dem Toni dieser Tage nur ungern von der Seite weichen. Den Esel hat der Tierarzt kastriert – dabei muss etwas schief gegangen sein, denn der Ärmste blutete noch lange nach, verlor viel Kraft. Und das Kälbchen war schon kurz nach der Geburt einmal kränklich, schien sich dann erholt zu haben, erlitt vor einigen Wochen aber einen Rückfall.

Leben auf dem „Bauernhof Holneich“ in Surberg

Ein zuckersüßes Sorgenkind, in das sich Tamara schwer verliebt hat und das sie – quasi gemeinsam mit dem schwarzen Kater Baghira, der Gitti ebenfalls täglich seinen Besuch abstattet – hegt und pflegt. Es ist buchstäblich ein Kampf um Leben und Tod. Und der geht der 28-Jährigen sehr, sehr nahe, obwohl sie sich binnen kürzester Zeit mit Leib und Seele eingelebt hat und aktiv einbringt auf dem „Bauernhof Holneich“ in Surberg nahe Traunstein. Den hat Freund Felix (gemeinsam mit dem Bruder) erst kürzlich von den Eltern übernommen.

Und in einer Landwirtschaft, weiß die Schwiegertochter in spe, gehört der Tod, nun ja, im Grunde zum Geschäft. Das junge Paar plant ja sogar, eine ganze Herde Hochlandrinder zu züchten, um deren Fleisch dann per Direktvermarktung an Endverbraucher*innen zu verkaufen. Trotzdem, dieses Zwillingskälbchen ist dem ganzen Hof ans Herz gewachsen und soll um Himmels willen die Kurve kriegen, um dann sein restliches Leben bei Familie Wadler zu genießen. Wie die Geschichte ausgeht? Siehe Instagram.

Von der „Gipfehoiben“ zu 34 Tausend Followern

Als „Hobby mit Benefits“ bezeichnet die Bergfexn ihren Account. Dessen Erfolgsgeschichte beginnt 2017 mit dem Bild einer Weißbier „Gipfehoibe“ und speist sich bis heute vornehmlich aus den Eindrücken, die Tamara auf ihren Touren durch die heimische Bergwelt sammelt. Jene Touren unternimmt die gelernte Sozialpädagogin am liebsten allein –„Me-Time genießen“, wie sie sagt. Beides, die Liebe zu den Bergen sowie die Tatsache, dass sie ab und an einfach Zeit für und nur mit sich selbst braucht, hat Tamara während des Studiums in Benediktbeuern verinnerlicht. Wenn sie vom beschaulichen Campus-Leben im Kloster, vom funkelnden Walchensee, von der Aussicht am Herzogstand erzählt, leuchten ihre Augen.

Eigentlich ist sie mit der kleinen Schwester und dem älteren Bruder von den Eltern schon als junges Mädchen jedes Wochenende auf einen Berg geschleppt worden. Aber wie das halt so ist: Wenn Mensch muss, macht es nur halb so viel Spaß. Heute profitiert sie von diesen damals als Pflicht empfundenen Ausflügen. „Der Papa ist gelernter Natur- und Landschaftsführer“, erzählt sie, „und die Mama Homöopathin.“ Da sei jede Tour auch eine Art Unterrichtseinheit in Gipfel-, Pflanzen- und Kräuterkunde gewesen. In Beneditkbeuern gehörten dann wieder Kräuterpädagogik oder therapeutisches Wandern zum Stundenplan. „Da wird man automatisch selbst zur Kräuterhex‘“, sagt sie schmunzelnd. Und die berühmte Selbstreflexion, die zum wichtigsten Rüstzeug aller Sozialpädagog*innen gehöre, die lasse sich hervorragend am Berg betreiben. Überhaupt könne so eine Tour auf völlig unterschiedliche Weise gewinnbringend sein, je nachdem, unter welchen Voraussetzungen und mit welchem Ziel man die Unternehmung angeht.

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Fotos: Tamara Schweidler

Die Bergfexn lässt ihre Follower an allem teilhaben

„Will ich ordentlich ins schwitzen kommen oder eher die Natur bestaunen? Geht es mir um das Erfolgserlebnis am Gipfel oder die bewusste Wahrnehmung des Wegs? Hat der Weg sportlichen, philosophischen oder kreativen Charakter?“ Welche Gefühle und Gedanken die Bergfexn unterwegs bewegen – die Community erfährt‘s und nimmt genauso rege wie dankbar Anteil. Daraus leitet Tamara auch Verantwortung ab. Was sie bewusst nicht tut, ist: genaue Tourenbeschreibungen posten. Sie will zum einen keine Massenanstürme auf mitunter nur den Einheimischen bekannten Pfaden lostreten, zum anderen sollen vor allem Ungeübte nicht animiert werden, blindlings und unvorbereitet in die Berge zu marschieren.

Wer mit der Bergfexn beim Wandern Ruhe und Kraft tanken möchte, kann das dafür ganz offiziell tun: im Rahmen der „Wanderwelten Chiemgau“. Gegründet von einer Grassauer Wanderführerin, ist Tamara inzwischen nicht mehr nur Kollegin, sondern sogar Teilhaberin. Und das erklärt auch, warum der Bauernhof Holneich seit kurzem die Esel beherbergt.
Zum beliebetesten Angebot der Wanderwelten gehören seit jeher Eselwanderungen. Vor einiger Zeit endete abrupt und unerwartet die Kooperation mit den Besitzern des putzigen Zottelviehs. Das ließ der Bergfexn – und sie in der Folge Freund Felix – keine Ruhe mehr. Viel Überzeugungsarbeit und die eine oder andere Probe-Wanderung später wohnen nun eben der Toni, der Apollo 13, Stute Elsa und ganz frisch Fohlen Uschi in einem eigens errichten Esel-Refugium. Wanderwelten gerettet, noch eine neue Aufgabe für Tamara, die ja neben ihren vielen Hobbys auch einem Brotberuf nachgeht: als Medienpädagogin bei „Q3. Quartier für Medien.Bildung.Abenteuer“, einer gemeinnützigen Firma mit dem Schwerpunkt des mobilen Lernens in der Medienbildung. Perfekt für Tamara, besteht der Ansatz doch darin, (Natur-)Erlebnisse mit Medien zu verbinden. Zu viel wirds der gebürtigen Prienerin jedenfalls nicht. „Ich bin von Sternzeichen Skorpion“, sagt sie schmunzelnd. „Uns sagt man ja nach, dass wir uns ungern festlegen. Dementsprechend mache ich gerne viel und auch viel gleichzeitig.“ Und während sie das erzählt, humpelt sie auch schon aus dem Frühstücksraum der Pension Holneich (die zum Hof gehört) hinüber zum Stall. Gucken, wie es Gitti und Toni geht.

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