Das Skitourengehen hat in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt. Stefan Hofmeister, Bergschulleiter und Geschäftsführer der Blue Mountain Spirit Bergschule in Bad Feilnbach, ist Spezialist für Skitouren und langjähriger Kooperationspartner der iko Sportartikel Handels GmbH. Er erklärt, was man fürs Tourengehen wirklich braucht, wie man sein Material gut behandelt und wie man sich und seine Ski fit macht für Skitouren.

Fotos: K2, privat

Bevor wir ins Detail gehen – Stefan, wie bist Du zum Skitouren-Gehen gekommen?

Das begann bei der Bundeswehr. Ich bin eigentlich ein typischer Bergsteiger: Berggehen, Klettern, Hochtouren. Als ich beim Bund in Brannenburg stationiert war, hieß es: ‚rauf aufn Berg und zwar mit den Skiern!‘. Da habe ich gemerkt, dass das voll mein Ding ist – jetzt schon seit 25 Jahren.

Der Bergführer Stefan Hofmeister
Stefan Hofmeister, Bergschulleiter und Geschäftsführer der Blue Mountain Spirit Bergschule in Bad Feilnbach. In Kooperation mit BMS bietet iko jedes Jahr LVS-Kurse und Skitouren an – Infos erhalten Interessierte im Laden.

Hast Du eine Lieblingstour?

Nicht wirklich. Alle Touren in unseren Hausbergen sind fantastisch. Wenn man im Wendelsteingebiet unterwegs ist, ist für jede*n was dabei. Wenn ich da hochschaue, juckt’s mich richtig. Unsere Kurse versuchen wir auch grundsätzlich in den Bergen vor unserer Haustür durchzuführen – schon aus ökologischen Gründen.

Welche Ausrüstungsgegenständ sind essentiell fürs Tourengehen?

Von der Kleidung mal abgesehen natürlich die richtigen Tourenski, die richtige Bindung und die richtigen Schuhe, die man vom Geh- in den Fahrmodus umschalten kann. Darüber hinaus sollte man nie ohne LVS-Ausrüstung unterwegs sein: Lawinenverschüttetensuchgerät, Lawinensonde und -Schaufel. Die trägt man lieber einmal zu oft rauf, als dass man sie einmal zu wenig dabei hat. Eine tolle Erfindung sind auch die Lawinen-Airbags oder Lawinenrucksäcke. Da entwickelt sich die Branche richtig gut weiter. Bei den neueren Modellen der Rucksäcke muss man den Airbag nicht mehr falten, sondern kann ihn einfach zurückstopfen, was das Handling sehr viel einfacher macht. Und ein Erste-Hilfe-Set, das sollte in jedem Rucksack zu finden sein.

Stichwort Kleidung: Gibt es eine „Mindestanforderung“?

Da reichen eigentlich eine Softshellhose, wie man sie zum Wandern anzieht, und eine Softshelljacke über Funktionskleidung. Ich persönlich mag’s zum Abfahren und auf dem Gipfel gerne, wenn ich eine Windjacke dabei habe, die ich drüberziehen kann. Zum Hochgehen trage ich ein Paar dünne Handschuhe, zum Runterfahren dann ein paar dickere.

Passt zum Thema: Saisonstart: So geht Skitour in sicher

Kann ich grundsätzlich jeden Stock hernehmen fürs Tourengehen?

Ja, eigentlich schon. Wichtig ist: Je mehr Gelenke die Stöcke haben, desto instabiler. Ich persönlich mag Stöcke, die gar kein Gelenk haben. Das kommt aber auch auf den Fahrstil an. Manche haben die Stöcke für Rauf und Runter in unterschiedlichen Längen. Wenn ich auf Mehrtagestouren gehe, dann habe ich meistens auch faltbare oder Teleskopstöcke, damit ich sie kleiner gemacht an meinem Rucksack verstauen kann.

Wie mache ich meine Ausrüstung fit für die Saison?

Zu Beginn der Saison sollte man in Fachgeschäften wie iko den „kleinen Service“ durchführen lassen: Kanten und Beläge abschleifen und wachsen, außerdem sollte die Bindung geprüft werden. Das empfehle ich übrigens auch zum Saisonende vor dem Einla- gern. So kann man sicherstellen, dass die Ausrüstung in top Zustand gelagert wird. Bei den Stiefeln sollte der Gehmodus geprüft werden sowie ein Check der Innenschuhe erfolgen. Nach jeder Tour müssen die Innenschuhe dann unbedingt ganz getrocknet, im Anschluss trocken in die Schale gesetzt und die Schale geschlossen werden, damit der Innenschuh die Form behält. Sollten die Schuhe anfangen zu stinken lautet der Geheimtipp Geruchskillerspray wie man es für Motorradhelme bekommt.

Skitour bei Schneefall
Fotos: David Carlier

Wie muss die LVS-Ausrüstung behandelt werden?

Für die LVS-Ausrüstung gilt Ähnliches: Zum Saisonstart Akkus entweder vollständig aufladen oder neue Batterien einlegen, nach der Tour ordentlich trocknen lassen und trocken und dunkel verstauen. Zu Saisonende die Batterien unbedingt rausnehmen. Die Ausrüstung im Keller zu lagern ist gut, so lange es im Keller nicht feucht ist. Und nicht unbedingt unter oder neben ein Fenster legen, denn die UV-Strahlung kann ausbleichen oder bei den Gerätschaften sogar Dinge zerstören.

Welche körperlichen Voraussetzungen muss man erfüllen fürs Tourengehen?

Körperlich würde ich sagen, wer in der Sommersaison gut in den Bergen unterwegs ist, tut sich auch im Winter bei den Skitouren nicht schwer. Wer dann noch Bike and Hike macht, also das Wandern oder Bergsteigen mit dem Radeln kombiniert, ist richtig gut dabei. Die Kombination aus Radeln und Bergsteigen ist in der Belastung ähnlich wie das Tourengehen. Außerdem finde ich Übungen zur Kräftigung des Oberkörpers wegen des Rucksacks und für die Rumpfstabilität wichtig. Die klassische Skigymnastik ist tatsächlich gut! Und Yoga zum Dehnen und Mobilisieren. Wenn man sich große Mehrtagestouren wie die Venter Runde oder die Haute Route von Chamonix nach Zermatt auf den Plan geschrieben hat, sollte man sicherlich auch Höhenmeter und Kilometer machen, die in Summe vergleichbar sind und das Gewicht des Rucksacks dabei kontinuierlich steigern.

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