Die neue Ausstellung im Holztechnischen Museum Rosenheim ist wieder ein Volltreffer: Vom 4. Juni 2025 bis 12. April 2026 gibt es eine faszinierende Entdeckungsreise in die Welt der Holzverbindungen.

Im Mittelpunkt steht ein echtes Schmuckstück: ein Modell eines traditionellen japanischen Holzhauses. Auf den ersten Blick schlicht, offenbart es bei genauerem Hinsehen die ganze Raffinesse einer jahrhundertealten Handwerkskunst. In Japan entwickelte sich das Verbinden von Holzteilen ohne Nägel, Schrauben oder Leim zu einer regelrechten Kunstform. Statt Metall greifen passgenaue Zapfen, Schlitze und Keile ineinander – stabil, elastisch und damit perfekt geeignet für ein Land, das immer wieder von Erdbeben erschüttert wird.

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Besonders beeindruckend: Ganz ohne die bei uns üblichen Diagonalverstrebungen entsteht ein hoch stabiles Gefüge, getragen von ausgeklügelten Verbindungen und horizontalen Riegeln. Manche Fügungen sind unsichtbar verborgen – denn im japanischen Holzbau gilt: Was hält, soll nicht unbedingt sichtbar sein.

Doch die Ausstellung widmet sich nicht nur Fernost. Auch europäische Traditionen kommen zur Geltung – von den einfachen Steckverbindungen der Antike bis hin zu hochpräzisen Maschinenverbindungen der Gegenwart. Besucherinnen und Besucher erfahren dabei, wie sich Werkzeuge und Techniken über die Jahrhunderte verändert haben – und warum Holzverbindungen bis heute in Architektur, Möbelbau und Industrie unverzichtbar sind.

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Ein weiteres Highlight der Ausstellung: Ein Film über den Ise-Schrein in Japan, der seit über 1300 Jahren alle 20 Jahre „neu entsteht“. Diese rituelle Erneuerung, das sogenannte jingū shikinen, geht auf Kaiser Tenmu zurück und wurde erstmals im Jahr 690 vollzogen. Inzwischen hat sich der Ise-Schrein schon 62 Mal in frischem Holzkleid präsentiert – und bleibt so zugleich uralt und immer wieder neu. Dabei spielte sich rund um den etwa zehnminütigen Film ein kleines „Drama“ im Vorfeld der Ausstellung ab und fast wären die beeindruckenden Bilder nicht zu sehen gewesen. Anfangs fehlte nämlich die Genehmigung der Verwaltung des Schreins. Ingeborg Grassl, 2. Vorstand des Holztechnischen Museums, bemühte ihre Kontakte und zwei Tage vor Ausstellungsbeginn lag dann das Genehmigungsschreiben aus Japan, danke eines ehemaligen Konsuls, vor. Der Film ist in Dauerschleife zu sehen und zeigt, wie ein Gebäude mit Leichtigkeit aber dennoch enormer Stabilität ohne Nägel oder Schrauben auseinander- und wieder zusammengebaut wird – in regelmäßigen Abständen.

So zeigt die Sonderausstellung „Holzverbindungen“ nicht nur die Vielseitigkeit eines der ältesten Werkstoffe der Menschheit. Sie macht auch deutlich, dass Holz mehr ist als ein nachhaltiges Baumaterial: Es ist ein Stück Kulturgeschichte – und manchmal pure Handwerkskunst.

Infos für den Besuch:
Die Ausstellung ist bis 12. April 2026 von Dienstag bis Sonntag jeweils von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Montags sowie an Feiertagen bleibt das Museum geschlossen. Mehr Infos gibt es auf htmverein.de.