Wie der Biomassehof Achental die Wärmewende in die Hand nimmt – und mit einem neuen Projekt die Region noch nachhaltiger macht.
Am Rande von Grassau im Chiemgau. Im Südwesten des sonnigen Geländes ragen Hochgern und Hochfelln in den Himmel. Es duftet nach frischem Holz, nach Harz. Ein angenehmer, würziger Duft – ein Duft, der die Schönheit unserer Heimat in die Nase trägt. Eine Heimat, die es zu bewahren gilt. Hier hat der Biomassehof Achental seinen Sitz. Was 2005 mit einem Lagerplatz für Hackschnitzel begann, ist heute ein modernes Vorzeigeunternehmen für regionale, erneuerbare Wärme. 20 Mitarbeitende sorgen dafür, dass sich Haushalte, Gewerbebetriebe, Schulen oder Kliniken klimafreundlich beheizen können – mit heimischer Bioenergie aus nachhaltiger Forstwirtschaft.
„Unsere Vision ist klar: Wir schaffen eine saubere und verlässliche Energieversorgung für die Region. Und zwar aus der Region“, bringt Geschäftsführer Wolfgang Wimmer die Philosophie des Unternehmens auf den Punkt. Ein Prinzip, das sich auch im Wording des Biomassehofs widerspiegelt: Dort spricht man nicht von „Produkten“ – sondern von „Dienstleistungen rund ums Holz“. Und davon bieten die Grassauer gleich vier an.
Das erste und sichtbarste Standbein sind sicherlich die Pellets und Hackschnitzel. Der Biomassehof beliefert sowohl Privatkund:innen als auch Großabnehmer mit hochwertigem Brennstoff – mit Holz also, das durch kurze Transportwege, höchste Qualitätsstandards und faire Preise punktet. „Unser Material stammt ausschließlich aus Bayern“, sagt Marketingleiter Roman Polleichtner. „Wir kennen jeden Förster, jedes Waldstück.“ Und weil man Holz nicht einfach lagern kann wie Ziegelsteine, sondern so aufbewahren muss, dass es ordentlich trocknet und später effizient verbrennt, setzt man auf ein ausgeklügeltes System: Die Anlieferung erfolgt just-in-time, die Lager sind überdacht und modernste Sieb- und Trocknungsanlagen garantieren gleichbleibende Qualität. „Wir sind da sehr penibel“, schmunzelt Wimmer. „Und das ist auch gut so.“
Neben der Brennstoffversorgung betreut der Biomassehof mehrere Fernwärmenetze in der Region – etwa in Grassau, Grabenstätt, Prien am Chiemsee oder Rimsting. Die Idee dahinter besticht durch ihre Effizienz: Die Wärme wird zentral in einem der Biomasse-Heizkraftwerke erzeugt und dann über ein Verteilnetz zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert. Dort dient diese Wärme zur Heizung und Warmwasserbereitung. Dank ausgeklügelter Filteranlagen funktioniert das übrigens nahezu emissionsfrei und völlig unabhängig von fossilen Brennstoffen! „Wir kümmern uns da um alles“, sagt Wimmer. „Von der Planung über den Betrieb bis zur Abrechnung.“
Leuchtturmprojekt Priental Wärme
Bei der dritten Säule des Unternehmens, den Holzvergaseranlagen, läuft das Prinzip ähnlich ab. „Das ist eigentlich eine sehr alte Technik“, erklärt Roman Polleichtner, „aber dank unserer modernen Anlage, die mit Pellets betrieben wird, heute wieder total produktiv.“ Vereinfacht dargelegt, werde Holz zum Glühen gebracht. Mithilfe des dabei entstehenden Holzgases werde im benachbarten Blockheizkraftwerk Ökostrom erzeugt – CO₂-neutral, dezentral und auf Basis modernster Technik. „Damit decken wir aktuell den Strombedarf von rund 3.300 Haushalten und den Wärmebedarf von circa 460 Haushalten ab“, sagt Wolfgang Wimmer stolz.
Besonders am Herzen liegt dem Geschäftsführer derzeit ein Projekt, das noch in der Planungsphase steckt, aber enormes Potenzial birgt: Priental Wärme – ein neues, nachhaltiges Wärmenetz für die Gemeinde Aschau im Chiemgau. „Das wird ein Leuchtturmprojekt für die Region“, ist sich Wimmer sicher. Geplant ist ein flexibles, modular ausbaubares System, das sowohl große Einrichtungen wie Schulen oder Hotels als auch Einfamilienhäuser mit Bioenergie versorgen kann.
In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Aschau im Chiemgau ist der erste Bauabschnitt im Ortsteil Niederaschau vorgesehen. Und: Wer Interesse an einem Anschluss hat, kann sich jetzt schon melden. „Wir freuen uns über jede Anfrage – denn je mehr mitmachen, desto wirtschaftlicher und effizienter wird das Ganze für alle“, erklärt Wimmer. Nach und nach könnte auf diese Weise der gesamte Ort versorgt werden – nachhaltig, klimafreundlich und effizient.
Biomasse als elementarer Bestandteil der Energiewende: Davon ist man beim Biomassehof Achental überzeugt. „Natürlich brauchen wir Sonne und Wind – aber ohne eine solide Wärmebasis geht es nicht“, sagt Wimmer. Holz als nachwachsender Rohstoff mit hoher Energiedichte und hervorragender Speicherfähigkeit sei dafür ideal, gerade in unserer Region. Wichtig sei natürlich, dass das Ganze nachhaltig geschieht – und regional. Und genau da liegt die Stärke des Biomassehofs: Er ist kein Konzern. Kein Zwischenhändler. Sondern ein lokaler Partner mit echter Handschlagqualität. Ein Unternehmen, das hier verwurzelt ist – im besten und buchstäblichsten Sinn.