Tom Bacher hat mit „Liebling“ nicht nur eine Marke geschaffen, sondern ein Lebensgefühl zum Anziehen. 

Waren Sie schon mal in Arzbach? „Wo?“ hören wir Sie, liebe Leser:innen, regelrecht aufschreien. Na, in Arzbach! Gleich hinterm Tegernsee, gehört zu Wackersberg! Falls nicht, können wir Ihnen nur raten, möglichst schnell dorthin auszufliegen und umgehend in der Längentalstraße 19 einzukehren. Hier befindet sich ein kleines, traditionell-modernes Paradies: Der Laden von „Liebling“.

Der erste Eindruck, wenn man den Laden von außen sieht: gar nicht mal so groß. Von drin? „Wow, gar nicht mal so klein!“ Während wir mit einem sehr guten Kaffee in der Hand vor der Tür des alten dreistöckigen Gebäudes stehen, in dem sich früher ein Sägewerk befand, erzählt Tom Bacher – sich geschickt eine Zigarette drehend – seine Geschichte. Wie sollen wir die bloß für Sie zusammenfassen?

Tom und Tony

Beginnen wir einfach am Anfang: Gelernt hat der Gründer von „Liebling“ Industriemechaniker Maschinen- und Systemtechnik. Mit 18 Jahren allerdings kündigte er – schon damals unkonventionell gepolt – von jetzt auf gleich seine Festanstellung. Lieber baute er als Tagelöhner Halfpipes, die ihn zu Skatebord-Ikone Tony Hawk (und sogar in Basketball-Legende Michael Jordans Haus) brachten. Er aber zog weiter. Nach Indien verschlug es ihn, wo er dreieinhalb Monate blieb und, sagt er, als ein anderer Mensch zurückkam: genügsamer, entspannter, mehr aufs Glück fokussiert.

Die Idee zu den Jacken und damit zu Liebling kam Tom vor rund 25 Jahren. Damals trug der Isarwinkler Rebell (der sich selbst als gar nicht so rebellisch empfindet) gerne Kapuzenpullover, die einen gewissen Lifestyle verkörperten: Funsport, Skating, Lockerheit. In den späten 90ern, frühen 2000ern waren Hoodies noch nicht in Büros anzutreffen, sondern erzählten eine Geschichte vom Unangepasstsein, von Freiheit und Freizeit. Tom, damals noch Inhaber des ersten Tölzer Funsport-Ladens „Neokeltic“, liebte seine Pullis, gleichzeitig fror er in den kühleren Monaten darin. Also trug er über den Hoodies gern einen von der Mama gestrickten Janker. Bis sich eines Tages in seinem Kopf ein Bild manifestierte, das beide Welten – Moderne und Tradition – in einem Produkt vereinte: ein bayerischer Janker mit Kapuze. 

Der Weg zum Liebling-Style

Die Produktentwicklung dauerte rund fünf Jahre. 2006 launchte dann „Liebling“, zunächst noch im „Neokeltic“. Sein großes Anliegen mit Liebling ist es bis heute, jenen Lifestyle, den er damals verkauft hat, als „Lebensgfui“ neu zu interpretieren. Den Janker wieder zu dem zu machen, was er Jahrhunderte lang war: ein Alltags-Gwand – strapazierfähig, bei jedem Wetter und Anlass passend und darüberhinaus angenehm auf der Haut zu tragen („das probier mal mit den Selberg‘strickt‘n“). Bei allem bayrischen Heimatgefühl darin aber trotzdem modern. Und das gelingt ihm mit seinen Lieblingen wirklich eindrucksvoll! 

Tom sieht das Material als Tradition an, nicht den Schnitt, nicht die Farbe und nicht die Accessoires. Diese Dinge, sagt er, verändern sich immer wieder. Schnitte, Stile, Zubehörteile verschwinden und tauchen wieder auf. Aber das Material in Form von Leder, Loden oder eben Wolle – das bleibt! Und genau deswegen legt Liebling so viel Wert auf den Rohstoff.

Lammwolle „First cut“, also aus der allerersten Schur, muss es für Liebling sein, drunter macht es Tom nicht. Nur die fühlt sich so kuschlig, weich und unerreicht flauschig an, wie er sich das vorstellt. Diese ganz besondere Rohwolle wird vom Liebling-Team – wie es sich für eine Manufaktur gehört – durch den gesamten Prozess begleitet. Die rohe Wolle wird organisch gewaschen (das heißt: keine Chemikalien berühren den kostbaren Rohstoff), damit das Lanolin, das wertvolle Wollfett, erhalten bleibt. Der Janker verwandelt sich dabei sogar ein bisschen in „Medizin“. Denn Lanolin wirkt antiseptisch und entzündungshemmend – sicher auch Gründe, warum wir Menschen uns seit Jahrtausenden so sehr zu Fell und Wolle hingezogen fühlen. Die Wolle „beißt“ nicht, weder im Sommer noch im Winter, und Liebling-Janker sind sogar wasserabweisend – alles ganz ohne Chemie und biologisch abbaubar. 

Fotos: Liebling Manufaktur

Neben der Lammwolle haben Tom und seine „Lieblingsmacher“ 2018 ein Pionier-Projekt gewagt: eine eigene bayerische Merinowolle herzustellen. Eine Frage schwirrte in den Köpfen des Teams: Warum gibt es  so wenig Strickwaren aus bayerischer Wolle? Schließlich prägen Schafe seit Jahrhunderten das Landschaftsbild Bayerns mit und leisten einen wertvollen Beitrag zur Landschaftspflege. Sie sind viel mehr als „biologische Rasenmäher“. In ihren Wollkleidern tragen sie verschiedenste Pollen, Saatgüter und Samen von Ort zu Ort und sorgen so für eine üppige Vegetation. Auf Hängen und schwer zu begehendem Gelände pflegen sie den Boden effizienter als es jede Maschine könnte. Doch für Schäfer ist der Verkauf von Schafswolle heutzutage kein einträgliches Geschäft mehr. Die Preise, die ein „bayerisches Kilo Wolle“ kostet, sind international nicht wettbewerbsfähig. Also geben viele Schäfer ihr mühseliges Handwerk auf oder halten die Schafe nur mehr zur Schlachtung. Verrückt, fanden Tom und sein Team, und nahmen die Dinge in die Hand. Schäfer erhalten jetzt von ihnen einen fairen Preis und bei Liebling etablierte sich unter dem Label „Mähdusa“-Bavarian Wool mittlerweile eine ganz eigene Linie in der breiten Janker-Palette.

„Eine Lieblingsklamotte wird zur Lieblingsklamotte,
weil du sie dauernd trägst.“ 

Tom Bacher, Gründer von Liebling

„Einen Janker von Liebling trägt man das ganze Leben!“ Deswegen besteht die Möglichkeit, die Jacke reparieren zu lassen. Mittlerweile fast 2.000 Reparaturen macht Liebling pro Jahr. Löcher werden nach Möglichkeit nicht lediglich gestopft, sondern zugestrickt. So sieht man wirklich gar nichts mehr. Keine besonders günstige Vorgehensweise, aber nachhaltig! Das gleicht den sogenannten Verschnitt aus, der bei Liebling wegen der besonderen „Konfektionierung“ entsteht. Das Strickbild der Janker ist „wie aus einem Guss“. Da finden sich keine unnötigen Kanten, Wülste oder Nähte. Es geht Tom um ein einheitliches Gesamtbild – und zwar der Jacke an sich sowie auch in Einheit mit dem Menschen, der drin steckt. Strikt gegen Einheitlichkeit agiert Tom beim Thema „Knöpfe“. „Einen Hirschhornknopf gibt es so nur ein einziges Mal“, sagt er. Die Oberfläche des „echten“ Hirschhorns zeigt sich von Millimeter zu Millimeter individuell. Scheinen sie alle gleich, handelt es sich um Plastik. Von einheitlichen Hirschhornreihen hält der Tom dementsprechend nichts. Knöpfe bei Liebling bestehen entweder aus echtem, handgeschnitzten Horn, aus südamerikanischer Steinnuss (eins der traditionellsten Materialien) oder aus handgelasertem Süßwasser-Muschelpanzer. Ein Janker von Liebling ist zu 100 Prozent Natur – das ist Gesetz.

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In die einzelnen Modelle, die im Gegensatz zu den Kollektionen anderer Anbieter auf Dauer erhältlich bleiben, fließen die Erfahrungen derjenigen Menschen ein, die die Stücke tragen. Taschen versetzen, Schnitte verändern – alles Dinge, die nicht von selbst oder am Reißbrett entstehen. Erst, wenn die Janker mit Leben gefüllt werden, können sie sich entwickeln – manchmal sogar in etwas komplett Neues. Bestseller „Mecida“, eine lange, feminine Strickjacke, entsprang zum Beispiel der Notsituation mit einer frierenden Bekannten. Tom half ihr mit einem seiner Pullis aus und kam auf die Idee für ein neues Modell – ein überlanger Janker, fast wie ein Kleid.

Apropos bleiben: Tom findet, in jedem Bierzelt sollte es heute noch (wie früher auch) eine Tanzfläche geben. „Wir müssen miteinander singen, lachen und tanzen.“ Die Tradition bestehe nicht aus dem Bier, sondern aus dem Miteinander. Der Rebell plädiert ganz unrebellisch für einen „Mittelweg zwischen Tradition und Moderne“. Ein Liebling-Janker ist so ein Mittelweg. Aber ohne durchschnittlich zu sein, sondern immer besonders und fürs Leben. 

LIEBLING
Längentalstraße 19
D-83646 Wackersberg
T: +49 (0)8042 5640690
E: info@liebling.cc
www.liebling.cc

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