Unterwegs im Naturpark Ammergauer Alpen

Gravelbiken ist mehr als nur ein Trend, heißt es. Dann probieren wir es halt mal aus, dieses Radeln mit einem Bike, das gemacht ist für Asphalt wie auch für Kies und Schotter und zwei Welten in sich vereinen soll. Ein Bike mit der Optik eines Rennrads, das sich dank breiteren, geländegängigeren Reifen und einer spezifischen, robusteren Konstruktion auch in der Welt abseits des Asphalts gut schlägt, dabei aber wesentlich leichter ist als ein Mountainbike. Die Preisgrenze ist auch bei einem Gravelbike nach oben offen und gute Technik hat ihren Preis. Mindestens 2500 Euro muss man schon hinblättern für ein gutes eigenes Bike. Oder man leiht sich einfach eins aus. Scheibenbremsen, elektronische Schaltung, Carbonrahmen – alles vom Feinsten bei diesem Testbike. Und die Region, in die wir in die Pedale treten, ist es nicht minder: Mit seinen Mooren, der idyllischen Bergkulisse und den vielen kulturellen Highlights, die man auf einem dichten Netz an Schotterwegen und Fortstraßen erradeln kann, gilt der Naturpark Ammergauer Alpen als eine der spannendsten Gravelbike-Regionen Deutschlands.

Auf Königstour

Schloss Linderhof, Kloster Ettal … Erinnerungen an längst vergangene Kindheitstage, an denen man sich mit allen Tricks vor väterlich gewünschten, und damals als megaspießig empfundenen Ausflugsfahrten zu oberbayerischen Kulturstätten erwehrt hat, kommen hoch, als uns Guide Toni morgens in Oberammergau abholt und die geplante Königstour mit rund 40 Kilometern und circa 300 Höhenmetern mitteilt. Heute aber: echte Vorfreude! Weil man älter geworden ist und inzwischen weiß, dass wir hier in Oberbayern wahrlich schön leben. Dass es auch hier viel zu entdecken gibt und man tatsächlich nicht immer in die Ferne schweifen muss. Und weil die heimatliche Erkundungstour nicht mehr wie damals stundenlang im Auto, sondern sportlich aktiv auf neuen Wegen stattfindet.

Das prachtvolle Schloss Linderhof.
Fotos: Naturpark Ammergauer Alpen/Anja Lieberherr (mit freundlicher Genehmigung der Bayerischen Schlösserveraltung)

Die Rennraderfahrenen sind schnell mit dem Gravelbike vertraut und genießen die Sicherheit der breiteren Reifen auf den Wald- und Schotterwegen, die uns immer wieder an der Ammer entlang von Oberammergau durch das Graswangtal zum UNESCO Welterbe Schloss Linderhof (schlosslinderhof.de) führen. Entlang der Naturschutzgebiete Weidmoos und Pulvermoos mit seiner weitgehend unberührten Pflanzen- und Tierwelt. Einige der Gruppe vermissen auf unruhigerem Untergrund die Federung ihres Mountainbikes und kämpfen anfangs ein wenig mit dem Tempo und den längeren Anstiegen. Bald haben sich aber alle eingegravelt, sind im Flow und genießen den Fahrtwind und das alpine Ambiente im immer besser werdenden Wetter. Vor allem die Teilnehmer aus den ferneren Bundesländern sind überwältigt vom kunstvollen Ensemble, das König Ludwig II. von Bayern im 19. Jahrhundert im Schloss und Park Linderhof geschaffen hat und das sich uns unter perfektem weiß-blauen Himmel mit noch angenehm wenigen Touristen präsentiert.

Hinter den Kulissen von Kloster Ettal

Nach kurzem Stopp an der idyllischen Gertrudiskapelle im Graswangtal wartet rund 13 Radkilometer entfernt von Schloss Linderhof das nächste kulturhistorische Highlight: das Benediktinerkloster Ettal (seit 1330, kloster-ettal.de), wo uns nach einer deftig-bayerischen Stärkung im örtlichen Klosterhof Pater David und Pater Josef hinter die Kulissen der wunderschönen, gepflegten barocken Klosteranlage samt Basilika wie Brauerei und Destillerieführen. Das in die Schlagzeilen gekommene Internat wurde übrigens mittlerweile geschlossen und der Schulbetrieb des Gymnasiums läuft nur noch als Tagesschule.

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Zurück nach Oberammergau geht es an der Ammer entlang, vorbei am Hausberg Kofel. Noch eine kleine Gravelrunde durch dieses klischeebeladene 5500-Seelen-Dorf, das mit seinen prächtigen Lüftlmalereien an den Hausfassaden, der traditionsreichen Schnitzkunst und vor allem durch die alle zehn Jahre stattfindenden Passionsspielen weit über die bayerischen Grenzen hinaus bekannt ist. Zugegeben: Es ist schon ziemlich idyllisch hier, zumal derzeit noch nicht allzu viele Touristen unterwegs sind.

Oberbayerische Dorfidylle am Wegesrand

„Heute radeln wir der Ammer entlang in die andere Richtung und ich zeige Euch, wo ich lebe“, sagt Toni, der zwar in Oberammergau geboren ist, aber jetzt schon länger in Bad Kohlgrub lebt, weshalb er nicht bei den Passionsspielen mitspielen darf. Das dürfen nur Einheimische, die hier geboren sind oder seit mindestens 20 Jahren hier leben. Vorbei an Unterammergau erleben wir Idylle pur in Altenau, wo der Milchwagen gerade beim gut gelaunt grüßenden Bauern mitten im Dorf die Milch abholt und den Weg versperrt. Und wo der Dorfwirt gleich gegenüber von Einheimischen wiederbelebt und betrieben wird.

Im schönen Oberammergau
Fotos: Petra Rapp

Wir radeln weiter nach Bad Bayersoien. Eine kurze Pause am dortigen Soier See, bevor die Gruppe durch Wald und Wiesen, mit kurzem Stopp am Moor wieder zurück nach Oberammergau gravelt. Mit vielen Eindrücken aus dem Herzen Oberbayerns reicher. Und mit neuen radsportlichen Gravel-Erfahrungen, die der eine missen wird, der andere, der bereits ein Rennrad oder Mountainbike hat, aber nicht wirklich braucht. „Wenn ich nicht schon ein Rennrad und ein Mountainbike hätte, dann wäre ein Gravelbike garantiert eine Option“, sagt Beni. „Mir und meinem lädierten Rücken ist ein gefedertes Mountainbike lieber, da sitze ich bequemer“, sagt Michael. Einig sind sich aber alle, dass sie gerne noch länger geblieben wären, um noch ein paar mehr der unzähligen Kilometer im Naturpark Ammergauer Alpen hier abseits des Asphalts mit einem Rad zu genießen.

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Informationen zum Gravelbiken im Naturpark Ammergauer Alpen (Touren und weitere Infos wie Tourenbeschreibungen, Servicestationen/Ladepunkte) unter: https://www.ammergauer-alpen.de/aktiv/radfahren/gravelbiken

Wo kann man Gravelbikes in Oberammergau mieten?

Gravelbikes vermietet der Drahteselverleih Lukas Spindler: https://www.bikeverleih-oberammergau.de 

 Weitere Verleihmöglichkeiten für Räder & E-Bikes: https://www.ammergauer-alpen.de/teststubn